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Kevin Schneider

 

 

Mein Name ist Kevin Schneider und ich bin 29 Jahre alt.Für mich wurde die Aufgabe, ein guter Horseman zu werden und Pferde zu verstehen, zur Lebensaufgabe. ich möchte den Pferden und ihren Menschen helfen, eine Einheit zu bilden.

Im Laufe der Jahre haben mich die Pferde vieles gelehrt. Ich selbst ziehe das Lehren dem Trainieren vor, denn nur wer die Pferde in ihrem Denken, Fühlen und Handeln versteht und sich in sie hinein versetzen kann, kann im Einklang von Harmonie und Verständnis zu einer Einheit mit seinem Partner Pferd werden. Ob man sich dabei vom Sattel oder vom Boden aus mit seinem Pferd beschäftigt, spielt keine Rolle. Alles ist eine Sache von Verständnis, dem richtigen Timing und dem Gefühl.Geboren wurde ich am 08. Oktober 1990 in Karlsruhe und in meiner frühesten Kindheit hatte ich reichlich wenig mit Pferden zu tun.

Erst auf dem Hof meines Ziehvaters erlebte ich meinen "First Touch" mit Pferden und so entstand recht schnell der Wunsch nach einem eigenen Pferd. Also kaufte ich mir in meinem jugendlichen Leichtsinn einen Junghengst - und natürlich den ungestümsten Kerl den ich finden konnte, wild auf einer Farm aufgewachsen. Anfangs klappte es noch ganz gut aber als er zu Angriffen beim Longieren überging, war ich ratlos und suchte Hilfe bei einem alten Bekannten.

Dieser sicherte mir zu, mir bestimmt helfen zu können, aber nachdem er meinem Jungpferd regelrecht ein blaues Auge schlug, war ich mir sicher, dass es auch einen anderen Weg geben musste. Wie sollte ich eine Partnerschaft aufbauen, in der mein Pony gerne und freiwillig bei mir war, wenn ich mein Pferd so behandeln sollte? Ich selbst würde mir in so einem Fall den Rücken kehren.

Also begab ich mich auf die Suche und beobachtete zunächst zahlreiche Pferde auf der Koppel und in der Natur, um herauszufinden, wie sich diese in einer Herde verhielten, wie diese aufgebaut war und nach welchen Regeln gespielt wurde. Hier konnte ich sehr viel gewinnen und wandte es bei meinem Jungpferd an - und kam mit einem Mal viel besser mit seiner Ausbildung und unserer Kommunikation voran als zuvor. Ein guter Freund von mir arbeitete zu der Zeit schon länger mit Pferden und auch bei ihm konnte ich vieles lernen und mitnehmen. Doch dann begann ich, meinen ganz eigenen Weg zu gehen.

Natürlich kreuzte ich auch dabei die Spuren, die Größen in der Pferdeszene hinterlassen hatten, sei es nun Tom Dorrance oder Ray Hunt. Und so fand ich zur Altkalifornischen Reitweise, zu den Buckaroos und Vaqueros und blieb hier hängen. Vom ersten Augenblick an faszinierte mich diese Arbeitsreitweise und die tiefe und vertrauensvolle Bindung, die die Pferde zu ihren Reitern hatten. Und, ja, ich gebe es zu: Auch das "Cowboy-Dasein" gefiel mir. Schon bald wurde die Philosophie des Horseman und Horsemanship meine Lebensphilosophie - und einstellung und ist sie noch heute.

Ich bildete mein erstes Pferd bis zur Two Rein Phase aus, ritt ihn mit den feinsten Hilfen und arbeitete andere, für den Menschen gefährliche Pferde von und mit ihm gemeinsam aus. Doch dann erkrankte er so schwerwiegend an einem Hufabszess, dass ich ihn nach einem Jahr Kampf doch gehen lassen musste. Ich danke dir mein Freund, für alles was du für mich gemacht hast, ich werde dich nie vergessen...

Kurz darauf traf ich durch Zufall und auf Durchreise meine Stute Oklahoma. Sie war im wahrsten Sinne des Wortes ein "Hinterhof-Pferd": Sie lebte mit einem anderen Wallach in einer Garage, wurde von ihm ständig vom Futter vertrieben und war in einem desolaten Zustand. Ich könnte den Finger zwischen ihre Rippen schieben, sie war ungepflegt und vernachlässigt und bei unserem ersten Aufeinandertreffen lag sie in der Garage und konnte und wollte nicht aufstehen.

Also organisierte ich kurzerhand einen Pferdehänger und kaufte sie frei. Anfangs päppelte ich sie zunächst einmal auf, ließ sie einfach mal Pferd sein und resozialisierte sie, denn sie war - in jeglicher Hinsicht - ein soziales Frack. Bei anderen Pferden ebenso wie bei Menschen. Anfassen ließ sie sich anfangs kaum und sie ging auch schon mal zum Gegenangriff über. Ich weiß nicht, was sie alles erlebt hat und ob sie unter Umständen auch viel zu früh von ihrer Mama getrennt wurde, worauf ihr Verhalten gerade zu Beginn stark schließen ließ. Dass auf jeden Fall sehr viel schief lief, stand außer Frage.

Nachdem ich sie eine Weile gearbeitet hatte, zeigte sie ihr wahres Gesicht und entpuppte sich als größte Schmusebacke überhaupt, die einfach nur gefallen möchte.

Bis heute ist sie meine treue Weggefährtin, die ihre Herde verlässt um bei mir und dem Menschen allgemein zu sein. Dieser Umstand bedeutet mir viel, war sie anfangs doch so abwehrend dem Menschen gegenüber. Ich möchte jedoch hinzufügen, dass ich mit Oklahoma nur noch kleine Jobs erledige, da sie hinten durchtrittig ist und ich ihr eine zu hohe Belastung oder tägliche Arbeit nicht zumuten und sie so lange wie möglich gesund erhalten möchte. Nachdem ich vergangenes Jahr mit meiner Lebensgefährtin und ihren Kindern nach Bayern gezogen bin, habe ich Mitte diesen Jahres die KL Flying Horse Ranch gegründet und mich selbstständig gemacht.

Tausende von Pferden haben mich die letzten Jahre begleitet und vieles gelehrt, jedoch übte ich diese Tätigkeit immer nur nebenberuflich aus und war oft bis Mitternacht in Ställen unterwegs, um Menschen und deren Pferden zu helfen oder Jungpferde auszubilden.Inzwischen ist dies mein Hauptberuf und ich bin sehr stolz und dankbar auf das, was da innerhalb dieser kurzen Zeit entstanden ist. Unsere neue Anlage in Ursensollen, welche wir erst Ende September 2019 beziehen konnten, befindet sich noch im Aufbau.

Doch auch hier ist es unbegreiflich, was schon alles entstanden ist und wie sich alles entwickelt hat.Die Teilnahme am Mustang MakeOver 2020 stellt für mich persönliches das absolute Highlight in meinem Trainerdasein und in meinem Leben dar und ich freue mich ungeheuer auf die bevorstehende Zeit mit meinem Mustang, den Erfahrungen, dem Kennenlernen und der Zusammenarbeit mit den anderen Trainern und darauf, diesen außergewöhnlichen Pferden eine Stimme geben zu dürfen.

Momentan leben 46.000 Mustangs in Auffangstationen, verwaltet durch das BLM. In den meisten Fällen sind Futter und Wasser in den Corrals für die darin lebenden Pferde knapp, reichen jedoch zum Überleben und auch die medizinische Versorgung lässt sich oft schwierig umsetzen. 

Ein Umstand, den ich den Menschen hier in Deutschland dringend näher bringen möchte. Ich möchte ihnen ihre Wunschvorstellung nehmen, die Mustangs würden in riesigen Corrals mit genügend Futter und Wasser leben und die Adoptionsstationen würden sich hinreißend um die Pferde kümmern. Ich möchte ihnen die schmerzliche Realität vor Augen führen, die Not der Pferde und die angespannte Lage mit dem BLM. Denn so unschön diese Realität auch sein mag, nur wenn diese publik gemacht wird, können wir sie auch (dauerhaft) verändern.

Mit meiner Teilnahme beim Mustang MakeOver 2020 möchte ich den Mustangs eine Stimme geben.

Ich möchte mit meinem Event-Mustang zeigen, dass diese Wildpferde keineswegs unbezähmbar sind - ganz im Gegenteil: Bei richtigem Umgang und der richtigen Ausbildung können aus diesen Pferden die treusten Partner werden, die man sich vorstellt. Und sollte dies nicht das Ziel unser aller sein? Eine ehrliche Partnerschaft mit unserem Pferd eingehen zu können? Eine Partnerschaft basierend auf gegenseitigem Vertrauen und Respekt (resultieren aus Akzeptanz)? Eine Partnerschaft, in der das Pferd freiwillig und gerne bei mir ist? Eine Partnerschaft, in der das Pferd für und nicht gegen mich arbeitet?

Und genau dies ist mein Ziel für das Mustang MakeOver 2020: Ich möchte zeigen, was alles mit diesen außergewöhnlichen Pferden in der kurzen Zeit möglich ist, dass sie sehr zuverlässige und ehrliche Freizeitpferde sind und dass die Verbindung zu und mit einem Mustang einmalig ist und sein kann. Dadurch möchte ich auf sie und damit auch auf ihre Situation in Amerika aufmerksam machen und Menschen motivieren, sich für sie einzusetzen oder sich gar selbst dem Abenteuer Mustang (bei genügend eigener Erfahrung oder mit professioneller Unterstützung) zu stellen.

Nur, wenn wir die Realität aufzeigen und mit der Geschichte unserer Event-Mustangs die Menschen berühren und diesen Pferden eine Stimme geben, können wir nachhaltig etwas für die Mustangs in Amerika verändern. Und dies wäre mein Herzenswunsch, für den ich alles geben werde.

 

 

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